Eine Einladung: Zwischen Acker und Zukunft

Können und müssen wir unsere Welt und unsere Art zu wirtschaften neu denken? Und wie kann uns das gelingen? In ihrem aktuellen Buch debattiert die Gesellschaftswissenschaftlerin und Transformationsforscherin Maja Göpel genau diese Fragen und skizziert Lösungsansätze.

Datum:

28.10.2021

Lesezeit:

2 min

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Mer Solutions GmbH

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Was unterscheidet natürliche Systeme von Systemen, die von Menschenhand geschaffen wurden? In Ihrem Buch „Unsere Welt neu denken – eine Einladung“ stellt und beantwortet die Gesellschaftswissenschaftlerin Maja Göpel diese Frage gleich zu Beginn. Natürliche Systeme seien auf Dauer angelegt, künstliche auf den Moment. Natürliche Systeme basieren auf Diversität. Der Abfall des einen ist die Nahrung des anderen. Auf diese Weise verschwindet nichts. Natürliche Systeme kennen keine Verschwendung. Menschliche Systeme dagegen müsse man sich wie ein Förderband vorstellen: Vorne werden Ressourcen extrahiert, anschließend werden diese verarbeitet und verbraucht und hinten am Fließband fällt der Müll des Prozesses herunter. Allerdings ist dieser menschengemachte Müll meist nicht weiter zu verwerten. Die billigste Methode ihn loszuwerden ist, klar, häufig das Verbrennen. 

Für Göpel sind aus diesem Grund die weltweiten Umwelt- und Gesellschaftskrisen, die wir durchleben, kein Zufall. Sie offenbaren, wie wir mit uns und dem Planeten umgehen. Um diese Krisen, zu denen in Göpels Augen auch die Corona-Pandemie gehört, zu meistern, müssten wir uns die Regeln bewusst machen, nach denen wir unser Wirtschaftssystem aufgebaut haben und hinterfragen. 

Nehmen wir zum Beispiel die Ressource Wald: Im derzeit noch immer üblichen Förderband-Denken ist der Wald in erster Linie ein Holzlieferant. Es hat daher nur ein paar Jahrzehnte gedauert, bis die Holzindustrie das über Millionen Jahre resiliente Ökosystem Wald zutiefst verwundbar gemacht hat. Monokulturen und die Plantagenwirtschaft machen den Wald weniger widerstandsfähig gegen den Klimawandel und erhöhen die Waldbrandgefahr. Vielerorts zerstört die zu hohe Holzentnahme das Binnenklima des Waldes, dessen Selbstheilungskräfte dadurch weiter schwinden. Tonnenschwere Maschinen zum Holzabbau und Transport verdichten die Böden, was wiederum dazu führt, dass Pflanzen und Bäume schlechter wachsen. Über kurz oder lang geht der Wald dadurch kaputt. Unser Förderband-Danken beschädigt sein Ökosystem.

Gibt es eine Lösung für dieses Dilemma? An dieser Stelle wird gern der technologische Fortschritt ins Feld geführt, der in Zukunft alle Probleme lösen soll. Der Einzelhändler Walmart zum Beispiel hat vor zwei Jahren das Patent für eine Roboterbiene angemeldet. Die Drohne soll in der Lage sein, Pflanzen in Zukunft künstlich zu bestäuben. Ist eine solche Roboterbiene die richtige Antwort auf das Bienensterben, das wir derzeit weltweit beobachten? Oder wäre es nicht sinnvoller, das natürliche System so zu erhalten, dass Bienen in ihm leben können? Vielleicht wäre es auch ein Ansatz, damit anzufangen, die Dienstleistungen der Natur, die wir derzeit noch kostenlos nutzen, zu vergüten und als tatsächlichen Wert zu betrachten. Der wirtschaftliche Nutzen der Bienen wird zum Beispiel auf 150 Milliarden Euro jährlich geschätzt. Oder wir fangen an, uns von unserem Förderband-Denken zu verabschieden und unsere Welt neu zu denken. Die Prämissen für dieses neue Denken hat Maja Göpel in ihrem Buch ebenfalls skizziert: 

Vom Produkt zum Prozess.

Vom Förderband zum Kreislauf.

Vom Einzelteil zum System.

Vom Extrahieren zum Regenerieren.

Vom Wettkampf zur Zusammenarbeit.

Von der Unwucht zur Balance.

Vom Geld zum Wert.

Maja Göpel ist Gesellschaftswissenschaftlerin, Expertin für Nachhaltigkeitspolitik und Generalsekretärin des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU). Ihr Buch „Unsere Welt neu denken – Eine Einladung“ erschien im Ullstein Verlag. 

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