Netzoptimiertes Laden und Dienstwagen funktioniert

Katharina Chatterjee, Head of Sales & Marketing bei Mer, ist für den Vertrieb zuständig. Im Interview spricht Katharina darüber, warum sie leidenschaftlich gerne im Bereich der Elektromobilität arbeitet, was sich in den letzten Jahren verändert hat und warum wir alle einen Beitrag zu einer besseren Zukunft leisten können.

Datum:

19.08.2021

Lesezeit:

5 min

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Mer Solutions GmbH

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Mer Solutions GmbH

Katharina, warum hast du dich dazu entschieden, im Bereich der Elektromobilität zu arbeiten?

Schon während meines Studiums war mir klar, dass ich einen Beruf ausüben möchte, in dem ich einen tieferen Sinn erkenne. Ich wollte meine Zeit in etwas investieren, das für die gesamte Gesellschaft eine Bedeutung hat. Ich war zunächst im Bereich der erneuerbaren Energien zuständig, der Trend kam gerade richtig auf. Es war für mich einfach logisch, dass die erneuerbaren Energien weiter ausgebaut werden, und ich wusste, dass in diesem Bereich etwas passieren muss. Mein Übergang zur Elektromobilität war fließend: Unsere jetzige Firma war damals noch ein Startup und ich war eine der ersten Mitarbeiter*innen hier in München. Ich fand das Thema sinnvoll und spannend, weil ich damals in eine Branche eingestiegen bin, die es noch gar nicht wirklich gab.

 

Von den erneuerbaren Energien zur Elektromobilität: War das ein starker Kontrast?

Nein, wenn man sich den Gedanken in Erinnerung ruft, unter dem unsere Firma – damals noch eeMobility – gestartet ist. Die Gründer wollten den Fokus nicht per se auf Elektromobilität legen, sondern in erster Linie erneuerbare Energien fördern. Schon zu Beginn wussten mein Team und ich, dass ein Wandel in der Mobilität bei der Speicherung von Strom massiv helfen könnte. Die Herausforderung bei den Erneuerbaren besteht nämlich in der nicht konstanten, der volatilen Stromerzeugung. Das heißt: Wenn eine starke Windböe aufkommt oder die Sonne scheint, dann wird Strom erzeugt. Das passiert ganz unabhängig davon, ob der Strom gebraucht wird oder nicht. An dieser Stelle gibt es verschiedene Ansätze: Man kann neben das Windrad einen Zwischenspeicher stellen, um den Strom später zu nutzen. Dieser Zwischenspeicher könnte theoretisch aber auch ein Elektroauto sein, oder? Damit kam die simple Idee: Lasst uns Ladestationen für elektrische Dienstwagen bereitstellen.

 

Warum habt ihr euch gerade auf Dienstwagen konzentriert?

Ein Dienstwagen wird tagsüber beruflich und auch privat genutzt, in den Nachtstunden bleibt das Auto meistens in der Garage stehen. Hier ergibt sich ein enorm großes Potential: In der Nacht wird kaum Strom verbraucht, weil die meisten Menschen schlafen – also kann das Auto aufladen. Natürlich wäre die ideale Lösung, dass jedes Gebäude eine eigene Photovoltaik-Anlage auf dem Dach hat und überschüssiger Photovoltaik-Strom direkt ins Fahrzeug fließt. Das wäre die lokalste und dezentralste Möglichkeit, weil man den Strom vor Ort direkt nutzt. Aber diese Lösung ist nur in den wenigsten Fällen realisierbar, daher nutzen wir das Stromnetz als zusätzliche Verteilung, um mit Elektroautos ein kleines „virtuelles Stromwerk“ zu betreiben. Wenn wir ein bisschen in die Zukunft denken, könnte man den Strom wieder aus dem Auto zurück ins Stromnetz oder in den eigenen Haushalt speisen. Das wäre der nächste Schritt.

 

Du bist nun schon einige Jahre dabei. Wie hat sich das Bewusstsein für Elektromobilität und saubere Energie verändert?

Wenn ich im Jahr 2015 über Elektromobilität gesprochen habe – egal ob privat oder beruflich – dann wurde ich seltsam angeschaut. Ich wurde eher belächelt und nicht ernstgenommen, der Tenor ging noch in die Richtung: „Ach, das wird frühestens in zehn Jahren losgehen. Was macht ihr denn da, ihr Verrückten?“ Die Argumente dagegen waren immer die gleichen: Das Elektroauto sei nicht massentauglich, es gebe keine Modelle, die Infrastruktur sei nicht ausgebaut… doch in den letzten Jahren hat sich etwas verändert. Die Bewegung „Fridays for Future“ hat begonnen und es kam die Diesel-Affäre auf. Das Bewusstsein und die Akzeptanz für Elektromobilität sind schneller gewachsen, als die meisten anfangs angenommen haben. Jetzt hat sich die Diskussion sogar ins Gegenteil umgekehrt.

 

Wie ist das Szenario heute?

Heutzutage müssen sich Privatfahrer und Firmen eher dafür rechtfertigen, dass sie noch nicht auf Elektrofahrzeuge umgestiegen sind. Elektromobilität ist in der breiten Masse angekommen und die Automobilhersteller haben mittlerweile Modelle in allen Preisklassen. Das Ladenetz verbessert sich stetig. Nun werden eher Begründungen gefunden, warum man noch nicht so weit ist. Das ist ganz interessant, man hört verlegene Sätze wie „Ach, ich habe meinen Benziner gerade erst gekauft“ oder „Ich fahre zu viele Langstrecken.“

 

Woher kommt diese Akzeptanz für Elektroautos?

Ich denke, das hat eher wenig mit Idealismus oder Umweltliebe zu tun. Nicht der ideelle Ansatz hat der Branche geholfen, sondern vor allem die neuen CO2-Vorgaben der Europäischen Union. Die Autoindustrie muss jedes Jahr bestimmte Grenzen für CO2 einhalten und die in Europa verkauften Fahrzeuge dürfen in Summe nur einen gewissen CO2-Wert erreichen. Sprich: Es ist gesetzlich genau festgelegt, wie viel ein Automobilhersteller mit seiner Flotte im Jahr maximal ausstoßen darf – und da gab es in den letzten Jahren einige Sprünge nach unten. Wenn ein Automobilhersteller beispielsweise viele SUVs verkauft, müssen im gleichen Jahr auch viele kleinere, energiesparende Modelle verkauft werden, um den Grenzwert einzuhalten. Für Elektrofahrzeuge liegt dieser Wert bei null und das senkt den Durchschnitt massiv.

 

Was sind die Folgen davon?

Die Hersteller sind dazu angehalten, umweltschonende Modelle auf den Markt zu bringen, um keine Strafen zu riskieren. Natürlich wird das auch positiv vermarktet: Man schaue sich nur einmal die Autowerbung im Jahr 2021 an. Es werden nur noch Elektroautos beworben, zuletzt auch auf den Bandenwerbungen während der Fußball-Europameisterschaft. Durch solche Maßnahmen wird das Elektroauto auch attraktiv für diejenigen, denen Umweltschutz und Klimawandel ansonsten nicht so wichtig ist. Das war ein Meilenstein in unserer Gesellschaft, der mich in den letzten Jahren erfreut hat. Ein weiterer Faktor ist natürlich der Druck der jungen Generation: Die Fridays-for-Future-Generation verschafft sich Aufmerksamkeit, ist extrem gut informiert und fordert den Status quo heraus, sucht Gespräche mit Eltern, Lehrer*innen oder Politiker*innen.

 

Stichwort „Fridays for Future“: Bei Mer sprechen wir darüber, dass wir alle Teil einer neuen Bewegung sind.

Ja, weil es Sinn macht und absolut notwendig ist. Es sollte gar nicht mehr zur Diskussion stehen, dass wir die Folgen des Klimawandels schnellstmöglich eindämmen und auf saubere Energie setzen müssen, aber dieser Wandel ist schwierig. Das kostet an einigen Stellen viel Geld und ist mit Mühen verbunden. Ich würde mir wünschen, dass wir weniger die Sache an sich in Frage stellen und schneller handeln. Ich habe vor einigen Tagen einen Tagesschau-Clip gesehen, der vor 20 Jahren ausgestrahlt wurde. Es gab damals eine Naturkatastrophe und unter den Bildern stand: „Das sind die Folgen des Klimawandels. Jetzt muss reagiert werden.“ Ich habe nur mit dem Kopf geschüttelt, weil wir 20 Jahre später noch immer die gleiche Diskussion führen. Es passiert zu langsam und zu wenig.

 

Warum schreckt es viele Menschen ab, sich dieser Bewegung anzuschließen und aktiv zu werden?

Ein Wandel ist eigentlich kein Problem, wenn man die Chance hat, ihn zu planen und frühzeitig einzutakten. Wären wir diese Transformation schon vor 20 Jahren aktiv angegangen, dann wäre die Situation für alle Beteiligten wesentlich einfacher. Aber sobald man eine Veränderung übers Knie brechen will, starten die Diskussionen: Was bedeutet das für uns? Wo sollen die Mittel herkommen? Was ist mit den Arbeitsplätzen? Muss ich mein Leben komplett verändern? Die Angst vor Veränderung prägt viele Menschen – und die damit verbundene Unsicherheit. Der Gedanke, sich nicht mehr frei im Auto bewegen zu können, bedeutet für viele Menschen eine Einschränkung der persönlichen Freiheit.

 

Mer bietet eine sinnvolle Alternative ohne Verzicht.


Niemandem muss das Auto weggenommen werden und jeder kann sich auch weiterhin frei bewegen, während wir etwas für den Planeten tun. Ein Elektroauto hat bloß einen anderen Antrieb. „Electric for everyone“ – das bedeutet für mich und meine Kolleg*innen, dass wir es jedem Menschen ermöglichen wollen, elektrisch zu fahren. Ich wünsche mir, dass möglichst viele Menschen die Vorteile von Elektromobilität erkennen und sich bewusst für den Wechsel entscheiden. Elektroautos machen viel mehr Spaß, das Fahrgefühl ist aufregend – ein bisschen wie beim Gokart-Fahren. Vor allem auf längeren Strecken ist der leise Betrieb angenehmer. Und wenn man mit Ökostrom lädt, fährt man ohne schlechtes Gewissen.  

 

Wir springen ins Jahr 2050: Wie bewegen wir uns fort?


Ich denke, das klassische Konzept der Mobilität von heute wird es nicht mehr geben, sondern ein viel größeres Angebot an öffentlichem Nah- und Fernverkehr. Der Verkehr an sich wird vermutlich stark gebündelt, nicht nur wegen der Umwelt, sondern auch aus Platz- und Effizienzgründen. Mein Ansatz wäre generell, nicht über Verbote zu gehen, sondern über Anreize und attraktive Angebote. Schon heute sieht man, was ein besseres Mobilitätskonzept innerstädtisch ausmacht: Je besser das Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln, desto eher bleibt das Auto zuhause stehen. Ich hoffe, dass wir im Jahr 2050 die nachhaltige Mobilität komplett erreicht haben und dass wir keinen Schaden mehr verursachen, wenn wir uns mobil und frei bewegen.

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