eCarsharing: Einstieg in die Zukunft

Jan, die Nachfrage nach eCarsharing-Angeboten steigt kontinuierlich an. Woher kommt dieser Trend?

Das ist ein gesamtgesellschaftlicher Trend, der sich jetzt auch in der Mobilität abspielt: Man teilt Dinge lieber, anstatt sie zu besitzen. Hinzu kommt die Digitalisierung. Dank Smartphone lassen sich neue Sharing-Angebote ganz einfach umsetzen. Ebenso hat Nachhaltigkeit einen neuen Stellenwert, denn jedes Unternehmen muss nachhaltiges Engagement zeigen, um zu bestehen. Bei Mer kommen wir diesem Bedarf entgegen, indem wir eCarsharing mit sauberem Ökostrom anbieten. Die Vorteile von eCarsharing liegen auf der Hand, denn man braucht kein eigenes Auto mehr, muss keinen Stellplatz bezahlen und hat auch keine laufenden Kosten für die Versicherung oder die Instandhaltung. Ich zahle fürs Nutzen, nicht fürs Besitzen. Diese Entwicklung macht viel Sinn, denn im Durchschnitt stehen private Pkws täglich 23 Stunden ungenutzt herum. Da ist es naheliegend zu fragen: Gibt es eine bessere Lösung?

 

Mer bietet eCarsharing im Baukastensystem an. Was genau ist darunter zu verstehen?

Grundsätzlich gibt es bei uns zwei Varianten. Erstens bieten wir unseren Partnern eCarsharing mit einer Full-Service-Mobilitätsrate an, da ist alles inkludiert: Fahrzeug, Plattform, Versicherung, Zulassung, Instandhaltung, Fahrstrom und vieles mehr. Man bekommt alles aus einer Hand. Darüber hinaus kann es aber auch vorkommen, dass unsere Kund*innen nur bestimmte Bausteine brauchen. Vielleicht haben sie bereits eigene Elektroautos im Fuhrpark und wollen diese zum Sharing anbieten. Wir rüsten die Fahrzeuge um und bauen die Technologie ein. Vielleicht soll aber auch die Ladeinfrastruktur gestellt oder die Versicherung dazu gebucht werden. Bei Mer gehen wir auf solche Kundenbedürfnisse ein. Sprich: Wir ergänzen die Puzzleteile, die noch fehlen, und machen ein individuelles Angebot.

 

Welche Vorteile bietet eCarsharing für Kommunen?

Kommunen haben eine zentrale Funktion in der Mobilitätswende. Wenn man das Thema nachhaltige Mobilität gesellschaftlich ernst nimmt, dann muss es in Kommunen attraktive Angebote im Bereich der Elektromobilität geben. Mit einem eCarsharing-Angebot zeigt die Kommune, dass etwas passiert. Die Standortattraktivität erhöht sich und man kommuniziert nachhaltiges Engagement. eCarsharing ist der Einstieg in die Zukunft. Kommunen könnten auch Partner einbinden oder vorhandene Fahrzeuge fürs eCarsharing nutzen. Ein Beispiel: Das Ordnungsamt nutzt die Elektroautos nur von Montag bis Freitag zwischen 9 und 15 Uhr. In den restlichen Stunden stehen die Fahrzeuge herum – warum sollte man das nicht vermarkten? Bei Mer helfen wir Kommunen dabei, solche Fahrzeuge höher auszulasten. Das steigert die Wirtschaftlichkeit und zeigt, dass die Kommunen sich Gedanken machen. Besonders spannend ist das für Gemeinden im ländlichen Raum, wo öffentliche Verkehrsmittel oft schlecht angebunden oder schlicht nicht vorhanden sind.

 

Gibt es beim eCarsharing noch Herausforderungen, die ihr überwinden müsst? Wo siehst du Verbesserungspotenzial?

Die größte Herausforderung ist das Management und die Vermarktung der Fahrzeuge vor Ort. Wenn wir in einer Gemeinde die Plattform fürs eCarsharing schaffen, muss das neue Angebot in der Umgebung kommuniziert werden. Wir wollen die Kommunen mitnehmen und motivieren. Es ist wirklich wichtig, dass der Wille da ist und die Kommune selbst bereit ist, etwas zu tun. Bei unserem neuen Projekt Linien-eCarsharing in Borgholzhausen, das voraussichtlich im April startet, war genau das der Fall. Dort haben die Bürger*innen das Projekt nach vorne gebracht, viel Eigeninitiative gezeigt und auch ehrenamtlich dafür gekämpft. In Borgholzhausen gibt es zwar einen Bahnhof, an dem die Züge der Deutschen Bahn halten, aber die Stadt ist sehr flächig besiedelt und die öffentlichen Verkehrsmittel decken nicht alles ab. Diese Bereiche kann man schon bald durch eCarsharing mit dem Bahnhof verbinden.

 

Gibt es bestimmte Industriezweige, die vom eCarsharing profitieren könnten?

Für die Immobilienwirtschaft und die Städteplanung ist das ein wichtiges Thema. Mehr Stellplätze bringen mehr Autos in die Städte, daher gibt es bei Neubauprojekten nun Auflagen, dass es auch Carsharing-Plätze geben muss. Da kommen wir ins Spiel, denn wir stellen die Ladeinfrastruktur für solche Bauprojekte, und alles was nötig ist. Außerdem bieten wir innovative Lösungen zum Laden in der Tiefgarage an, wie zum Beispiel eeApartment für private Mieter. Es können auch ganz neue Synergien zwischen Unternehmen und Kund*innen entstehen. Ein Bauer von Windenergieanlagen hatte eine spannende Idee zur Neukundengewinnung und hat gesagt: Wenn ihr mit uns baut, dann sponsern wir dazu ein Elektroauto und eine Ladesäule. Viel Potenzial für geteilte Mobilität gibt es außerdem bei Unternehmensflotten. Auch hier sind wir bereits mit passenden Ladelösungen sehr gut aufgestellt, so dass sich zusätzliche Synergien herleiten lassen – Stichwort bidirektionales Laden und Energiemanagement.

 

Welche Rolle wird eCarsharing in Zukunft spielen?

Die Welt der Mobilität wird sich stark verändern. Wir erleben eine Disruption, denn mehrere Megatrends stoßen jetzt aufeinander: Sharing Economy, Digitalisierung, Konnektivität und künstliche Intelligenz konvergieren, und diese disruptive Veränderung stellt die Mobilität auf neue Füße. Wir werden zukünftig mehr Verkehr mit weniger Autos haben: Nutzen statt Besitzen. Das ist eine einfache Wirtschaftlichkeitsrechnung. Ich sehe eCarsharing als Übergangsphase zum voll-autonomen Robo-Taxi und denke, dass wir nicht weit von diesen neuen Entwicklungen entfernt sind. Volkswagen investiert beispielsweise zweistellige Milliardenbeträge in Zukunftstechnologien, allein über zwei Milliarden in einen Unternehmenszukauf im Bereich künstliche Intelligenz – warum? Wer in Zukunft weiter Autos verkaufen will, muss bei den Megatrends der Mobilität dabei sein und für neue Nutzergruppen Lösungen schaffen. Wir leben da wirklich in spannenden Zeiten. Das wird sich auch auf unser Geschäft auswirken. Ich glaube nicht, dass wir unsere Fahrzeuge in zehn bis fünfzehn Jahren noch so laden werden wie heute. Geteilte und autonome Fahrzeugflotten werden kein Public Charging mehr nutzen und natürlich auch nicht mehr die private Wallbox im Eigenheim, sondern kosteneffizient auf Betriebshöfen von großen Flottenbetreibern laden. Dann werden wir auch nicht mehr über Reichweiten und Ladetarife sprechen. Bei Taxi, Bus und Bahn machen wir uns bei der Benutzung darüber ja auch keine Gedanken.

 

Wir sprechen hier von einem völlig neuen Konzept, wie man zukünftig das Auto nutzt. Welche Rolle spielt Mer bei diesem Wandel?

Mer steht für die Synergie zwischen Energie und Mobilitätswende. Wir denken ganzheitlich, denn wir kommen aus der Welt der Erneuerbaren Energien und verbinden das mit verschiedenen Mobilitätsthemen. Als Unternehmen sind wir glaubhaft, denn wir leben das Thema Erneuerbare Energien und unser Mutterkonzern Statkraft investiert an verschiedenen Stellen. Mit einer ganzheitlichen Perspektive kann man weiterdenken und sich fragen: Was passiert, wenn die Menschen zukünftig nur noch für den Sitzplatz bezahlen, nicht für das Auto? Diese Entwicklung ist seit fünf Jahren mein Steckenpferd. Ich wachse damit und finde es faszinierend, dass ich vor einigen Jahren noch ausgelacht wurde, als ich von Elektromobilität und autonomen Fahrzeugen gesprochen habe. Stichwort Robo-Taxi: Es steht heute außer Frage, dass diese Fahrzeuge elektrisch sein werden, da kann sich keiner ernsthaft mehr einen Verbrenner vorstellen. Und diese autonomen Fahrzeuge werden schon in wenigen Jahren in vielen Metropolen fahren, weil es sich dort am meisten lohnt. Danach wird sich die neue Mobilität auf die Speckgürtel und die ländlichen Gegenden ausweiten. Das werden die neuen „Öffis“, aber mit dem Komfort einer Tür-zu-Tür-Lösung – und unsere Enkelkinder werden uns später verwundert fragen, warum wir früher selbst gefahren sind.

Weitere spannende Stellen

In unserem monatlichen Newsletter informieren wir Sie über die aktuellen Möglichkeiten der Elektromobilität, technische Hintergründe und besondere Angebote von mer Deutschland.